Dienstag, 22. april 2008

Mein Geburtstag war dieses Jahr unglaublich geil, und zwar aus genau folgenden Gründen:

1)      Mein Homie Niko (aka „Nike Air“, because he’s so fly) war zu Besuch und feierte mit mir meinen Geburtstag.

2)      Die Party am Samstag war die unglaublichste, die ich je hatte. Stellt euch die beste Party vor, die ihr euch in euren kühnsten Träumen ausmalen könnt und dann: Double it!

3)      Ich habe von meinen bezaubernen Mitpraktikantinnen Charly und Kathy ein Hammer New York Mets T-Shirt geschenkt bekommen.

4)      Earth Day, Seelenheil, witziger Spaziergang im C-Park und WEIL DER TAG DANACH NICHT MEHR MEIN GEBURTSTAG WAR.


Erklärung zu 4): 

Am Sonntag war nicht nur mein Birthday, sondern auch noch Earth Day. Wir schlossen uns also einer gemeinschaftlichen Aktion an, Müll im Central Park aufzupicken. Das sinnlose an der Idee ist, dass der Central Park eh immer super sauber ist und so wurde es eher eine Schnitzeljagd unter dem Motto: wer findet das erste Stück Müll. Wir blieben alle erfolglos. Dafür fanden wir aber den Papst, der gechillt auf einer Parkbank saß, seine schmutzigen Füße hochlegte und genüsslich Erdnüsse mampfte. Ich fand es untypisch, dass er uns nach Wechselgeld fragte und etwas unangenehm roch, aber ich denke trotzdem er könnts gewesen sein. Ich gab ihm einen Quarter, was wirklich keine Investition für ewiges Seelenheil ist (ich mein, andere Leute müssen sich in die Luft sprengen, um in den Himmel zu kommen).

Nach ein paar weiteren Minuten rumschlurfen im C-Park sahen wir dann noch einen Mann, der beim Aufsteigen aufs Rad Kung-Fu-Kick-artig (und natürlich unabsichtlich) dem hinter ihm sitzenden Kleinkind voll eins über den Schädel zog und dann pfeifend losfuhr, während das Kind mit einer Verzögerung von ca. 10 Sekunden (Blackout-Time) anfing, wie am Spieß zu brüllen. Der Vater stieg vom Rad schüttelte verärgert den Kopf. Wahrscheinlich dachte er sich: „Irgendwie macht ihm Fahrrad fahren nicht so’n Spass - jedes Mal fängt er an zu heulen, sobald wir losfahren.“ HAHAHA. Geil.  

Gestern war dann auch schonwieder Nike Air’s Abschied, also beschlossen wir…naja, das gleiche wie immer halt..es richtig krachen zu lassen. Wir luden meine bildhübschen Mitpraktikantinnen Kathi und Charly ein und tranken die größte Flasche Wein, die ich je gesehen habe. Danach gingen wir ins Dallas Barbeque (kannte ich schon vorher) für Mega Cocktails. Danach gingen wir in noch eine Bar, dann noch eine…Als Niko und ich wieder zuhause ankamen war es bereits halb vier. Wir hatten allerdings noch etwas Durst und tranken noch gemütlich weitere 4, 5 Bier.

Das nächste was ich weiß: Telefon klingelt. Ich schrecke hoch, werfe auf der Suche nach meinem Handy etliche Dosen Bier um und höre Kathi im nächsten Moment am anderen Ende der Leitung: „Wo bist du denn?!?!?“ Gute Frage, auch gar nicht so leicht zu beantworten 3 Sekunden nach dem Aufwachen. Ich brauchte noch einen Moment, in dem ich mich verwundert im Zimmer umsah. Es klickte einmal („bin Zuhause“) und klickte noch mal („ICH BIN NICHT AUF ARBEIT – FUCK“). Mit einer kleinen Verspätung von 2 Stunden oderso kam ich schließlich abgehetzt, völlig durch den Wind und noch mächtig betrunken im Office an, wo irgendwie etliche Leute standen, die da gar nicht hingehörten. „Was machen die ganzen andern Praktikanten hier?“ fragte ich mich verwundert. „Wieso stehen meine beiden Chefinnen untätig an meinem Arbeitsplatz? Und wieso stehen da so viele Tassen. Und Teller. Und Gabeln. Und ein Kuchen mit der Aufschrift: "Daniel"? Komisch.“ Es klickte zum dritten mal.. ich war zu spät zu meinem eigenen Geburtstagsmeeting! THATS ME: Älter, reifer, verantwortungsbewusster. Ab jetzt geht’s rapide bergab. That’s a Bummer!

von DanNY
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Freitag, 18. april 2008

Mittlerweile ist es warm geworden. Perfekt um abends unter Sternenhimmel mit ein paar Leuten irgendwo eine tolle Sicht und ein gutes Gläschen Wein zu genießen. Dachten wir. Selbstverständlich war uns bewusst, dass es verboten ist, hier öffentlich zu trinken, aber da es sich um einen gottverlassen Ort handelte und der Wein zudem noch in ein Papiertüte verpackt war, machten wir uns keine großen Gedanken.

Das nächste was ich weiß ist, dass keine 2 Meter hinter uns Polizeisirenen losgehen. Hab fast nen Herzkasper bekommen, bin ja schließlich bald schon 26. Es ist uns allen immer noch ein Rätsel, wie die Cops es geschafft haben sich im Auto mit aufgeblendeten Scheinwerfern, völlig lautlos bis zu unserer Bank vorzuschleichen. Ich nehme ja an, die haben so eine Spezial-CIA-Tarn-Technologie oder so etwas in der Art. Es macht allerdings auch im tollsten Auto der Welt wirklich Null Sinn, die Sirene anzulassen, wenn man im nächsten Moment sowieso aussteigt, um Troublemaker die Härte des Gesetzes spüren zu lassen. Jedenfalls waren die beiden Cops absolut finster drauf, und wollten scheinbar, dass wir uns ihrer Stimmung anglichen. Einer von ihnen sah aus als hätte er gerade den Preis „Trottel 2008“ gewonnen, mit Schnurrbart, kleinen lustigsten Segelohren, gegelten Haaren, die im Mondlicht aussahen wie eine Plastikhaube, und – besonders augenfällig – einem Gesichtsausdruck der sagte: „Ich bin einfach ein Trottel, sonst nichts“. Der andere sah exakt aus wie Nick Carter von den Backstreet Boys, vielleicht etwas älter mit Hasenzähnen. Er schien der smartere von den beiden zu sein und begann auch gleich mit dem Verhör.

„Was ist in der Flasche?“ bellte er mich an. Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Nichts, denn jetz isse leer“. Nick sah mich an, als würde er nun versuchen, mich mit bloßer Gedankenkraft wie eine Fliege zu zerquetschen. Ich ging stark davon aus, er würde jeden Moment seine Waffe ziehen und losballern. Mein gesamtes Leben zog noch einmal vor meinem geistigen Auge vorbei, d.h. nicht mein ganzes Leben, denn als ich gerade zu der Stelle kam, wo ich mit 12 Jahren mal in einen Hundehaufen getreten war, riss mich Nick Carter aus meinen Gedanken und fragte überaus gereizt: „Was WAR in der Flasche, BEVOR sie leer wurde?“ Nun, diese Frage hätte eigentlich auch der Trottel stellen können, denn schließlich hielt er die Flasche ja in der Hand, auf deren Etikett gut lesbar „Chardonnay“ stand. Ich antwortete unsicher: „Chardonnay?“ Nick sagte: „Trinken ist nicht erlaubt“. Der Trottel murmelte in seinen Bart: “Nicht erlaubt.“ Wir versuchten den Cops klarzumachen, dass wir Ausländer sind, und das nicht gewusst hätten. Das war Ihnen allerdings herzlich egal und so nahmen sie unsere ID’s und gingen zurück zu ihrem Superauto, um diese durchzuchecken. Ca. 15 Minuten später kamen sie wieder, reichten uns feierlich Strafzettel ($25) und erklärten uns, wir müssten zum Gericht um diese zu begleichen. Was für ein Scheiß. Also heute los zum Gericht – ewiges Hinfahren, hundert Sicherheitskontrollen, lange am Schalter warten. Sinnloserweise tauscht man im Gericht auch einfach nur den einen Strafzettel gegen einen anderen Strafzettel. Dann  muss man zur Bank, um einen Scheck zu schreiben und diesen dann wieder zurück zum Gericht bringen oder schicken. Sehr kompliziert dafür, dass man eigentlich absolut nichts getan hat! Aber immer noch besser als die Todesstrafe, die man wahrscheinlich bekommt, wenn man gegen einen Baum pinkelt oder sich am Hintern kratzt. Willkommen in Amerika: kein Land für Troublemaker.   

 

von DanNY
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Montag, 7. april 2008

Nun, da ich schon bald zwei Monate in den US und A bin, möchte ich ein kurzes Resümee ziehen. Um es ganz einfach mit den Worten des unvergesslichen ersten Präsidenten der USA zu sagen: "I’m lovin it!" Wegen dem mexikanischen Essen, den Bars mit riesigen Bildschirmen, wegen Yankee Caps, lustigen Leuten im Hostel und vor allem, weil ich hier in einer Woche mehr feiere, als zuhause in einem ganzen Jahr. Man nehme z.B. letztes Wochenende, welches sich in diesem speziellen Fall von Mittwoch bis Sonntag erstreckte.

Mittwoch wollte ich mit einer Freundin nur noch kurz in eine Bar, um zu prüfen, ob das Bier dort wirklich nur $1 kostet. Ja tat es (zumindest wenn man davon ausgeht, dass das was Amerikaner für Bier halten, Bier ist)… und es ist natürlich keine besondere Überraschung, dass ich irgendwann – ich sag es ohne Stolz – absolut shit-faced (ein Term für: „betrunken“) war.

Am Donnerstagabend musste ich bei einer Buchladen-Eröffnung arbeiten, was in diesem Fall hieß den Abend über guten $ 20-Wein auszuschenken. Für jede Flasche, die ich öffnete, genehmigte ich mir ein Gläschen („Gehalt reintrinken“), so dass ich nach ca. 20 Flaschen – ich sag es ganz ohne stolz - absolut fuckin wasted (ein Term für „betrunken“) war. Ein Wunder, dass ich noch in der Lage war, am Ende  der Party wenigstens etwas vom guten Stoff mitgehen zu lassen - seine angeborenen Reflexe verliert man eben nie.

Freitag fühlte ich mich dann erwartungsgemäß wie durch den Reißwolf gedreht, mein Magen war verdammt böse auf mich und ich wusste: „Heute geht gar nix.“ Doch schließlich drängte sich mir doch die Frage auf „Wer gehört hier eigentlich wem?“ und so beschloss ich, diesem Loser von Magen mal zu zeigen, wer hier eigentlich der Herr im Haus ist. Nachdem Beamen Steamen aus New Jersey samt Party Posse hier eingetrudelt war, gingen wir zunächst in meine Lieblings Bar, das Mad River. Dort bezahlt man Freitags bis zehn Uhr $ 7 Eintritt und bekommt dann jeden Drink für einen einzigen Dollar. Das Geld hat man schnell wieder drin, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir kehrten für ein (oder waren es doch 10?) Bier noch mal bei mir zuhause ein, und warteten auf meine Hostel Friends, mit denen wir dann richtig Party machen gingen. Ich sag es ganz ohne Stolz - irgendwann war ich so unglaublich hammered (ein Term für „betrunken“), dass ich noch nicht mal mehr wusste, dass ich einen Magen habe.

Samstag war wie eine exakte Wiederholung von Freitag (so ungefähr wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“), nur mit noch schlimmerem Magen und noch mehr zu trinken. Sinnlos zu sagen, dass ich schließlich - ich sag es ganz ohne Stolz - absolut cockeyed (ein Term für „betrunken“) war. Es scheint aber gut gewesen zu sein, jedenfalls sehe ich auf den Fotos sehr glücklich aus.

Sonntag war ich dann wirklich am Ende. Trotz aller guten Vorsätze mich bei unserem Pokerabend wieder ordentlich abzuschießen, war nach ein paar Gläsern geklautem Wein dann wirklich erstmal Schluss.


Ich weiß, es mag dem einen oder anderen so erscheinen, dass Party für mich nur aus sinn- und hemmungslosem Saufen mit Freunden besteht... Gut erkannt, kann ich da nur sagen: „I’m lovin it!“

von DanNY
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Freitag, 4. april 2008
HAHAHAHAHAHAHAHA.

So lustig: der Typ hat SCHONWIEDER seinen geilen Mini-PC aufm Klo vergessen! Tja man sieht sich eben immer zweimal (bzw. jetzt eben doch nur einmal) - den Honk werde ich diesmal bestimmt nicht nochmal anrufen. Ich bin wieder eins mit dem Universe...begrüßen sie mit mir den glücklichen Besitzer eines neuen Pocket PC's: Daniel "Nicht-Nochmal-Mit-Mir" Gates. 
von DanNY
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Mittwoch, 2. april 2008

Ja, auch die Amerikaner kennen den ersten April. Deutsche ja sowieso. Glücklicherweise denkt aber nie jemand daran. Weit entfernt von den üblichen „Sie haben Krebs im Endstadium“-Krachern, von denen mir mein neuer argentinischer Kumpel („Doc“) aus seinem Krankenhaus berichtet hat, werden sonst meist eher harmlose Streiche ala Suppe versalzen gespielt. Nicht sehr lustig. Auch ich hatte dieses Jahr meinen Scherz, der sich allerdings nicht als besonders lustig, sondern eher deprimierend für mich herausstellte. Ich saß bei Kathi im Büro rum, Luftlöcher starrend, Stift trommelnd und Stuhl verstellend („Arbeit“), als sie auf die skurile April-Scherz-Idee kam, Charly (vermeintlich unter der Hand) per Email zuzuflüstern, ich sei noch Jungfrau. „Das frisst sie doch nie“, war meine Antwort. Doch tat sie. Schockierenderweise war sie nach einem ersten kraftlosen „Wie jetzt, echt?“ sofort überzeugt (Anm.: Kann es immer noch nicht fassen!). Sie wurde im Verlauf der Email-Konversation zwar irgendwann etwas stutzig, als Kathi sie fragte, ob sie das zu zweit nicht irgendwie ändern wollten, aber erst als Kathi sie schlussendlich nach dem Datum fragte, kam sie der Sache schließlich auf die Spur. Kathi hat so gelacht. Ich habe geweint.  

Okay, Okay, ich weiß, das war mehr als harmlos – aber wir haben nun mal nicht viel zu lachen hier (Mitleid bitte!). Viel schlimmer ist es allerdings, wenn man sich sicher ist, jemand würde einem einen April Scherz spielen, es aber überhaupt nicht so ist. Das Schlimme ist, dass diese vermeintlichen Aprilscherze prinzipiell jeden Tag im Jahr stattfinden können. So erhöhte mein Lieblings-Chinamann (WHAIWHAI) dreisterweise schon wieder seine Preise. April Fools! (nicht lustig). Der Deutsche, der vorgestern neben mir eingezogen ist, lehnte ganz entschieden ein - von mir offeriertes - Gute Nacht Bier ab, weil „ich mir schon die Zähne geputzt habe“. Hahaha. Selten so gelacht. April Fools! Florida-Megan, mit der ich mich gestern für Kino traf, stellte sich bei meinem Wunschfilm quer, weil „I don’t watch R-rated movies“. Haha! April Fools. Tut mir einen Gefallen Leute: Spart euch derlei Scherze bitte für den ersten April. Danke.

von DanNY
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Dienstag, 25. märz 2008

Ostern, welches ja bekanntlich Jesus, dem alten Problembären, gewidmet ist, öffnete sich für mich (Endlich!) das Tor zu Ruhm, Reichtum und Macht. Mein Freund Jiri drehte seinen Abschlussfilm für die New York Film Academy und ratet mal, wer der Hauptdarsteller war? Richtig! Ich natürlich nicht.
Aber ich hatte eine Nebenrolle, die mir wie auf den Leib geschrieben war (obwohl ich ja eigentlich alles spielen kann - ich bin Charakterdarsteller erster Güteklasse). Ich sollte einen durchgedrehten Nazi-Amerikaner spielen, der auf peitschende Dominas und Exekutionen von Gefangenen im Fernsehen abfährt. Also: Alles genauso wie im echten Leben!  Es handelte sich zu meiner anfänglichen Enttäuschung allerdings nicht um einen Billig-Sexfilm ala Eis am Stiel, sondern um einen ambitionierten Schwarz-Weiss-Streifen ohne Ton. Naja, dachte ich mir, ist immerhin noch besser als Tastbücher für Taubstumme (wobei es da ja auch ganz tolle Sachen geben soll!).

Wie auch immer: Am Tag des Shootings zeigte ich 200%,  hing mich voll in meine Rolle rein und holte das letzte aus mir heraus. Nach meiner Performance sah ich dann in der Tat viele feuchte Augen, rote Wangen und offene Münder. Ganz ohne Mist: hätte Jesus mich spielen sehen, wäre er bei der Gelegenheit glatt noch mal auferstanden und hätte mir applaudiert (obwohl, das macht sich natürlich schlecht mit angenagelten Händen…aber ganz sicher hätte er Beifall genickt).

Nächsten Samstag ist dann voraussichtlich das Screening, also die Premiere, im Kino der Film Academy. Ich bin ja so aufgeregt! Um ganz sicher zu gehen habe ich mir schon mal 2000 Autogrammkarten drucken lassen und mir einen Künstlernamen zugelegt: „Holger-Manfred Geronimo II“. Zudem würde ich meine Leser darum bitten, mich in Zukunft nicht mehr direkt anzumailen oder anzurufen, sondern meinen Agenten. Das soll jetzt aber natürlich nicht heißen, dass ich völlig abhebe: Ein, zwei mal im Jahr werde ich mich natürlich nach wie vor noch unters normale Volk mischen – ist doch selbstverständlich. So ich muss jetzt wirklich zurück zum Telefon: Warten, dass Hollywood anruft.

 

 

 

 

(Achtung: obiger Text enthält Anspielungen, die für religiöse Menschen verletzend sein können. In diesem Falle bitte den Text oben nicht lesen).

von DanNY
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Samstag, 22. märz 2008
Eine Frage: Warum wird man nur immer bestraft, wenn mal man etwas Gutes tut?

Ich fand soeben auf der Toilette einen nagelneuen Pocket PC, saugeiles Ding mit allem Schnickschnack. Wert (gerade bei Amazon nachgeschaut): $ 499. Nachdem ich ihn erstmal im Affekt einsteckte und mit roten Backen vor Aufregung in mein Zimmer lief, wurde ich hier beim Ausprobieren meines neuen Spielzeuges mit dem konfrontiert, was dann wohl die zurückgebildeten Reste eines Gewissens sind. Ich dachte an mich, wie ich unglaublich oft meine Sachen an den blödesten Orten verlege. Ich dachte an arme Eltern, die sich für ihren schwarzen, einarmigen Sohn das Geld vom Munde absparen und ihre eigene Rentenversicherung kündigen. Ich dachte an einen tränenüberströmten albanischen Jungen, der jetzt Studium in den Staaten gegen Kinderkrieg im Kosovo tauscht.  Widerum im Affekt nahm ich mein Handy und rief den Typen an. Ich hätt es lassen sollen. Der Typ der sich das Ding 10 Minuten später mit einem lauen "Thanks, I appreciate it" einsteckte, sich sofort umdrehte und weitertelefonierte, ist der gleiche, der mich seit Beginn meiner Zeit hier konsequent ignoriert und auf dem Gang noch nicht mal zurückgegrüßt hat. Was soll ich sagen, das alte Sprichwort passt schon: "Crime pays and good guys are gays". Ich werds mir merken und die guten Taten ab jetzt Mutter Theresa überlassen.
von DanNY
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Freitag, 21. märz 2008

Amis mögen Football. Amis mögen Hamburger. Vor allem jedoch mögen sie eines: Bequemlichkeit. So ist das Auto- und Busfahren in New York eigentlich reinster Unsinn, weil man zu Fuß in der Regel wesentlich schneller ist (wegen den Ampeln und vor allem dem Verkehr). Wieso ist dann überhaupt so viel Verkehr bzw.: Warum fahren trotzdem soviele Menschen mit dem Auto? - werden sich jetzt die fragen, die nicht richtig lesen können, also gut 90% meiner Freunde (Haha...das ist natürlich nur ein Witz: über 50% meiner Freunde beherrschen die deutsche Sprache halbwegs). Hab ich doch schon gesagt! Amis mögen eben Bequemlichkeit. Im Supermarkt werden Dir die Tüten eingepackt und deine leeren Einkaufswagen abgenommen. In Shopping Malls werden dir Türen aufgehalten. In Clubs und Pubs kämpft sich die Bedienung durch die betrunkenen Massen zu Dir um Deine Bestellung aufzunehmen. In jeder Straße und jedem Kiosk stehen X Geldautomaten, damit man nicht weit zur nächsten Bank laufen muss. Leute gehen nicht selbst mit ihren Hunden spazieren, sondern lassen spazieren gehen (die sog. Dogwalker, die teilweise mit sechs oder sieben – zumeist völlig bescheuert angezogenen – Hunden Gassi gehen, sind eine echte Plage hier). Und auch sonst scheinen die Leute hier einfach nicht zu verstehen, dass man es manchmal (ich gebe zu: selten) eben mal gerne NICHT bequem hat. Als ich gestern meine Hemden in die Asia-Wäscherei nebenan brachte, wurde ich gefragt wo ich sie denn hingeliefert haben möchte: Free delivery! Ich sagte dem Wäsche-Mann, dass ich gleich nebenan wohne und lieber vorbeikomme. Er sah mich an als hätte ich ihm soeben gesagt, seine 13 jährige Tochter sei leider von mir schwanger und, ach ja, seine Frau übrigens auch. Nachdem er seine Sprache wiedergefunden hatte, fing er an wie ein Wasserfall auf mich einzureden und wild gestikulierend immer wieder, aufgeregt wie ein Kind am Weihnachtsabend, auf das Schild „Free Delivery“ zu zeigen. Was soll ich denn da bitte machen? Ich ließ mir also meine Hemden liefern. Exakt eine Straße weit. Bequem, irgendwie!  

von DanNY
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Samstag, 15. märz 2008

Ich kannte Dallas Barbeque schon vorher (definitiv ein schönerer Einleitungssatz als „Ilsebill salzte nach“ – Wo ist MEIN Preis?!). Da Tomas gestern seinen letzten Tag in der Bank hatte, beschlossen wir, dieses frohe Ereignis ausgiebig zu feiern. Wir hätten das höchstwahrscheinlich so oder so getan, aber es ist immer schön, wenn man weiß, WARUM man sich eigentlich die Birne wegballert. Mehrere interessante Dinge geschahen an diesem Abend. Zunächst zeigte mir Kathi, dass man von meinem Fenster aus – gar nicht so schlecht übrigens – das Empire State Building sehen kann. War mir wirklich noch nie aufgefallen (ich bin ja auch erst einen Monat hier), obwohl ich hier jeden Tag am Schreibtisch vor meinem Fenster sitze. Ich finde das so dermaßen geil, dass ich jetzt gerne die $1200 für mein Zimmer bezahle, mehr noch, ich werd gleich mal hochgehen ins Office und fragen wie es mit einer Mieterhöhung aussieht. Nun gut. Wir (das sind übrigens Kati und Charlotte - meine zauberhaften Mitpraktikantinnen, Jiri - der weltbekannteste Schauspieler (aber nur Tschechien), Tomas alias Gomez, Charlotte alias „Die Französin“ oder einfach „Charlotte II“ und meine Wenigkeit) saßen also in meinem Raum und tranken fortgeschrittene Mengen Wodka, Bier und Wein, eine Kombination, die nur bedingt zu empfehlen ist. Der Plan sah so aus: Erst bei mir vorglühen, dann zu Dallas Barbecue, dann weiter in einen Club.

Ich kannte Dallas Barbecue schon vorher. Man bekommt dort so starke Cocktails (inklusive Extra Shot zum zusätzlichen Reinkippen), dass man mehr als 2 gar nicht bestellen DARF. Als wir ankamen, war ich allerdings schon mächtig betrunken (und selbst das ist noch ein Euphemismus), und der Cocktail gab mir vollends den Rest. Ich kannte Dallas Barbecue schon vorher. Ich beschloss nun - weise wie ich nun einmal bin – doch lieber alleine in meinem Bett weiterzufeiern. Problem: Ich war nicht zuhause, sondern im Dallas Barbecue. Ich stieg also in die erst beste U-Bahn und fuhr so lange in die falsche Richtung, bis mir auffiel, dass ich mittlerweile in der Bronx war (That’s Gangsta Baby!). Ich ging nach oben und sah einen Hip Hop Neger, den ich prompt ansprach: „Ayy Man, I’m drunk as hell, where’s Lexington / 92nd? (so ungefähr, den genauen Wortlaut bekomm ich nichmehr hin). „Mayne, u craaazzy! This is the Bronx!“ Da wurde mir bewusst, dass ich weit, weit von zuhause entfernt sein musste. Meine verbale Fähigkeit war eingeschränkt und meine Fähigkeit Pläne zu lesen – welche sogar in nüchternem Zustand eher auf „Grundschule-Für-Behinderte-Kinder“ Niveau ist – war schlichtweg nicht mehr vorhanden. Es half alles nix. Ich winkte ein Taxi herbei (das ging grad noch so) und ließ mich nach Hause fahren, um mich von dem Monster Cocktail zu erholen. Ich kannte Dallas Barbecue schon vorher.      
 

von DanNY
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Dienstag, 11. märz 2008

Beim Überfliegen meiner letzten Einträge bekam ich ganz unvermittelt das Gefühl, dass die eindringlichen, farbenfrohen Beschreibungen meiner Erlebnisse hier in NY - trotz aller Bemühungen um möglichst realistische Schilderungen - eventuell mein reales Erleben der Stadt etwas verzerren. Obwohl hier natürlich alles anders ist als Zuhause - größer und zumeist auch aufregender - gibt es natürlich auch eine andere Seite, die aus den einfachen, ganz banalen Dingen des „Everyday Life“ besteht.

Und tatsächlich hat hier mittlerweile schon so etwas wie Routine eingesetzt, die sich so oder so ähnlich an vielen Tagen wiederholt: Morgens um 7:30 klingelt der Wecker. Ich springe auf, wohl wissend, dass mein härtester Rivale um die einzige heiße Dusche den exakt gleichen Zeitplan wie ich hat. Ich trete aus meiner dunklen Kammer in das widerwärtige, gleißend helle Halogenlicht, und taste mich an der Wand entlang vor zur Dusche. Wenn ich Pech habe, sehe ich wie mein Erzrivale sich ebenfalls von der anderen Seite des Ganges zur (in der Mitte des Ganges liegenden) Dusche vortastet. Mein Puls beschleunigt,  denn ich weiß: ich kann es wieder schaffen! Ich renne unvermittelt los; er überlegt einen Moment – üblicherweise genau der Moment, der ihn die heiße Dusche am morgen kostet. Wie üblich schlüpfe ich 3 Sekunden vor ihm unter die gute Dusche, ziehe dümmlich grinsend den Vorhang zu und lausche kurz noch seinem Schnauben - halb Erschöpfung, halb Wut – bevor ich den Hahn voll aufdrehe.

Nach der Dusche zelebriere ich meinen Triumph mit Cornflakes direkt aus der Packung, die ich mit Milch direkt aus der Flasche runterspüle. Nur das gibt mir das spezielle Neanderthaler-Feeling, dass ich für einen anstrengenden, langen Tag im Office brauche. Diese Taktik spart ausserdem Geschirrabwaschen (natürlich der Umwelt zuliebe!). Ich laufe - in extremen Tempo, Leute wegrempelnd - die zehn Blocks zur Arbeit und kaufe auf dem Weg eine New York Times, die ich mit 87% Wahrscheinlichkeit nicht lesen werde. Die Mittagspause verbringe ich damit, meiner super netten Mit-Praktikantin Kathy aus Augsburg dabei zuzusehen, wie sie die leckersten, zuhause liebevoll vorbereiteten Köstlichkeiten  verzehrt (schon mal jemanden gesehen, der Gurke, Salat, Tomate, Schinken, Avocado, Käse, süße Senfsauce auf etliche 5x5 cm große Sandwiches verteilt?), während ich wahlweise eine braune Banane oder nichts verspeise (Abwechslung muss sein!). Nach der Arbeit gehe ich nach Hause, schon ganz gespannt darauf, was mir wohl heute aus dem Gemeinschaftskühlschrank entwendet wurde – ist auch immer wieder eine Überraschung! (Anm. an den Milch-Dieb: Wenn ich Dich kriege, trinkst Du ab morgen meine Milch aus der Schnabeltasse!). Nachdem ich meine Vorräte im Supermarkt wieder aufgestockt habe, ist es meistens ca. 7 Uhr. Ich rufe Gomez oder meinen neuen Freund Jiri (aka Maddog) aus Prag an und treffe mich mit ihnen und ihrer Gang auf irgendeinem Zimmer, im TV Room oder in der Bar gegenüber zum Vernichten von massenhaft Budweiser – einem populären Bier-Ersatz-Imitat. Um 11 oder 12 taumele ich voellig besinnungslos zurück in mein Zimmer und schlafe mich fit für die morgendliche Auseinandersetzung in der Dusche.

von DanNY
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